Über mich

Yann T. Schmidt; gerade Abi gemacht; geboren vor gut 17 Jahren in Berlin; hat nie Europa verlassen, aber schon immer Kleidung von ganz weit weg getragen; spricht ein paar Worte Französisch; hat vor kurzem den Begriff Weltbürger kennengelernt, möchte selbst einer werden.

Der ursprüngliche Plan

Anfangs sollte es Work and Travel werden, erst in Kanada, dann in Neuseeland. Die Welt sehen, auf eigenen Beinen stehen, reisen, und zwar möglichst weit weg. Ich plante, die Reise mit einem Freund anzutreten. Wir wollten über eine Organisation alles vorbereiten und hatten vor, uns vor Ort ein Auto zu kaufen, in dem wir schlafen würden und mit dem wir von Job zu Job fahren konnten. Zumindest ich hatte eine sehr romantische Vorstellung davon, wie wir leben würden: Frei, ungebunden, die entstehenden Kosten durch die Arbeit unserer eigenen Hände deckend.

Sinneswandel

Es ging mir also um meine eigene Freiheit. Zur gleichen Zeit wuchs mein Bewusstsein dafür, dass der Lebensstandard und die politische Situation hier in Deutschland, ja in ganz Europa und ebenso in Neuseeland, besser ist, als in großen Teilen der restlichen Welt. Schon länger hatte mich dieses Thema beschäftigt.

Für einen Fünfzehnjährigen ist das keine kleine Erkenntnis, nach und nach zu entdecken, dass man sich sein ganzes Leben schon in einer Blase des Wohlstands befindet. Mir wurde plötzlich klar, dass ich noch nie wirklichen Hunger verspürt hatte. Ich nahm wahr, dass die Kleidung, die ich am Körper trug, eine längere Reise hinter sich hatte, als meine Eltern in einem halben Menschenleben jemals gemacht hatten. Ich lernte, dass sauberes, fließendes Wasser etwas Besonderes sein kann, ebenso wie Strom. Mir wurde bewusst, dass Demokratie im Vergleich zu den autoritären Systemen anderer Staaten nicht selbstverständlich ist. Dass unsere Schulbildung im krassen Kontrast zu millionenfacher Kinderarbeit steht. Dass unser Vermögen in der globalen Relation nur als Reichtum bezeichnet werden kann. Dass unsere wohlstandsgegebene Selbstbestimmtheit gegenüber der Determiniertheit so vieler ein Privileg ist.

Ich hatte viele solcher Erkenntnisse und die meisten waren damals noch undifferenziert und nicht gut eingeordnet. Nicht wenige sind es wohl noch. Vor allem aber war alles, was ich wusste, rein theoretisch. Dessen war ich mir bewusst und das wollte ich ändern.

Über uns

Die lange Aufzählung oben sollte weniger die Überschrift „Über mich“ tragen, als vielmehr „Über uns“. Über uns Deutsche, uns Europäer, über uns, die wir im globalen Norden leben.   Vor diesem Hintergrund erschien mir das Vorhaben „Work and Travel“ in einem Moment plötzlich geradezu egoistisch. Darüber denke ich heute auch anders, dennoch wandte ich mich von meinem ursprünglichen Plan ab. Von da an war mein Ziel, über das „Wir“ hinauszusehen und das „Ihr“ kennenzulernen.

Es sollte ein möglichst anders „Ihr“ sein. Weil Afrika einer der exotischsten und gleichzeitig ärmsten Kontinente ist, zog es mich dorthin. Ich informierte mich über die Möglichkeiten, dort ein Jahr zu verbringen und stieß auf verschiedene Programme zur Förderung von Freiwilligendiensten. An einige Organisationen, die mir zusagten, schickte ich Bewerbungen und zwei nahmen mich an.

Der jetzige Plan

So landete ich beim Sozialen Friedensdienst Kassel e.V. Dieser Verein, der 1984 gegründet wurde, um Kriegsdienstverweigerer zu unterstützen und den Zivildienst zu einem Sozialen Friedensdienst zu machen, betreut seit langem Freiwilligendienste in Europa und in Übersee. Aktuell sind seine einzigen afrikanischen Einsatzstellen in Togo und Ghana. Das Projekt in Togo sagte mir zu und ich wollte gern die dortige Amtssprache Französisch sprechen, also entschied ich mich schließlich, dorthin zu gehen.

Mittlerweile steht es fest: Ab dem 19. September werde ich 12 Monate in der togoischen Stadt Kpalimé leben und in der Organisation A.DE.TO.P als Freiwilliger arbeiten.

Meine Erwartungen

Was ich in Togo zu finden hoffe, sind neue Perspektiven und Alternativen. Façons de la vie, wie wir sie hier nicht kennen und auch niemals kennenlernen werden, wenn wir uns nicht rauswagen. Menschen, wie man sie hier nicht trifft, Essen, das man hier nicht isst, fremde Musik und Sprachen.

Ich möchte mich außerdem als Bürger dieser Welt begreifen. Ein großes Ziel ist es, eine kleine Brücke zwischen Deutschland und Togo zu schlagen und mitzuhelfen, die Unterscheidung von „Wir“ und „Ihr“ ein kleines Stück einzureißen.

Nicht zuletzt, möchte ich natürlich auch nach Kräften in dem Projekt mitarbeiten und einen guten Beitrag zu der Arbeit von A.DE.TO.P leisten.