Zelten in Afrika – Ein Erlebnisbericht

Liebe Leute,

 

ich begnüge mich heute mit einem Blogeintrag der ein bisschen gewöhnlicher ist als sonst. Ich erzähle euch einfach nur von meinem Wochenende.

Von langer Hand hatten einige Freunde und ich einen Zeltausflug geplant. Einige Zeit haben wir überlegt, wo wir unser kleines Abenteuer wagen sollen, bis wir uns für die Cascade d’Yikpa entschieden haben. Diesen Wasserfall hatten wir drei Wochen zuvor das erste Mal besucht. Er liegt an einem wunderschönen, abgelegenen Ort knapp hinter der ghanaischen Grenze, den man nur zu Fuß erreichen kann. Von Kpalimé fährt man etwa eineinhalb Stunden, bis man das nächstgelegene Dorf erreicht, wo man sein Motorrad abstellen kann. Von dort aus führt eine einstündige Wanderung durch die Berge der langgestreckten Atakora-Gebirgskette zum Fuße des Wasserfalls. So atemraubend der Fußmarsch selbst ist, so atemberaubend ist die Aussicht, die er eröffnet.

Von meiner Organisation lieh ich Zelte aus, die normalerweise für Ausflüge mit Touristen verwendet werden. Matten konnten wir aus Platzgründen nicht mitnehmen. Wir würden auf dem blanken Zeltboden schlafen müssen. Wir waren zu fünft, weil Flo, der Besuch von Hannes, Malaria aus Sri Lanka mitgebracht hatte und beide deswegen zu Hause blieben.

Am Samstagmorgen kauften wir togotypischen Proviant ein: Weißbrot, Ananas, Bananen, gekochtes Soja mit Chilisoße, Mayonnaise, Schokocreme, und – und das war ein wahrer Luxus – fünf Frühstückseier, die wir in einem kleinen Kessel kochen wollten. Dazu für das Herdfeuer noch ein kleiner Beutel Kohle.

Zwei Personen auf ein Motorrad, dazu Rucksäcke und Zelte und los ging es. Das erste Stück des Weges verlief über die große asphaltierte Straße, danach bogen wir auf einen unbefestigten Weg der uns abwechselnd über Kies, Schotter und bloßer Erde führte. Wir waren froh, als wir das Dorf heil erreicht hatten. Die Wanderung, die auf dem Hinweg vor allem bergab führte, brachten wir schnell hinter uns. Weil sich Regen ankündigte, verstauten wir alles unter einem Felsvorsprung und sammelten Feuerholz, um es für das Lagerfeuer am Abend vor Nässe zu schützen.

Der Wasserfall von Yikpa fällt in zwei Stufen herab. Der erste Fall ergießt sich etwa 80 Meter tief in ein flaches, von Kieseln gesäumtes Becken. Einige große Felsen ragen daraus hervor, die neben der riesigen, massiven Felswand des Berges klein erscheinen. Man kann in dem Becken wunderbar baden und sich sogar direkt unter das herabstürzende Wasser stellen, das an den dichtesten Stellen beinahe schmerzhaft ist. In seinem langen Fall trifft es auf mehrere Felsvorsprünge, die es sprühend überwindet. Noch am Rand des Beckens, gut 25 Meter vom eigentlichen Wasserfall entfernt, meint man ab und zu, es finge an zu regnen, weil die abgelenkten Wassertropfen so weit spritzen. Wenn die Sonne scheint, sind auf der Wasseroberfläche zahlreiche hauchfein schimmernde Regenbogen zu erkennen.

Von dem großen Becken fließt das Wasser in einem Bach ab, der von mehreren grün bewachsenen Inseln in zwei oder drei Arme geteilt und schließlich wieder zusammengeführt wird. Überall, wo die Erde durchtränkt und feucht ist, blühen Blumen mit großen, weißen Blütenkelchen an langen Stängeln mit saftig grünen Blättern. Ich wüsste gern, wie diese Blumen heißen. Am Ende des Baches, verliert der Strom noch einmal seinen Halt, und ergießt sich erneut viele Meter in die Tiefe. Diese Stelle kann man von oben einsehen, weil neben dem Bach, direkt am Abgrund ein kleines Felsplateau die Pflanzen zurücklässt. Im Stein sind hier kräftige Metallösen angebracht, an denen eventuelle Kletterer sich parallel zum Wasserfall hinunterlassen können.

Aber genug der Ortsbeschreibung. Eine kleine Wiese etwas oberhalb des Wasserfallbeckens war bestens für unsere Zwecke geeignet, also schlugen wir dort unsere Zelte auf, nachdem der Regen und das dazugehörige Gewitter sich verzogen hatten. Essen, baden, Lagerfeuer, essen, schlafen, das war der Ablauf des restlichen Tages. Bereits um halb sieben war es stockdunkel,  nur noch das Lagerfeuer und unsere Taschenlampen erhellten die Umgebung. In Deutschland hatte ich bis jetzt nur im Sommer gezeltet, wenn es mindestens bis neun Uhr hell war, deswegen war ich nicht auf die plötzliche Dunkelheit vorbereitet. Dementsprechend früh gingen wir auch ins Bett, denn der mitgebrachte Sangriavorrat reichte nicht für einen langen Abend und wir waren von der Wanderung erschöpft. Die Nacht im Zelt war erst sehr warm, dann dank unserer Schlafsäcke angenehm kuschelig. Kein einziges Mal hörte der Wasserfall auf zu rauschen.

Der nächste Morgen begann mit einem eiskalten Bad, Schokoladencreme auf Brot, Kartenspielen und hartgekochten Frühstückeiern. Danach sonnten wir uns und genossen die Ruhe des Ortes. Im Laufe des Vormittags trafen noch andere Touristen ein, teils Franzosen, teils Togoer, die so verrückt waren, die rutschigen Felsen direkt neben dem herabfallenden Wasser hinaufzuklettern. Wir machten uns gegen eins auf den Rückweg, der bergauf deutlich anstrengender war. Aber auf des Menschens Beine ist Verlass und die Motorräder hielten die Tour auch noch ein zweites Mal durch, sodass wir vor Einbruch der Dunkelheit Kpalimé erreichten. Ich war glücklich und glücklich wieder auf einer echten Matratze zu schlafen.

 

Am Sonntag kommen Ellen und Lars, meine Mutter und mein Bruder zu Besuch. In den zehn Tagen, die sie hier sind, wollen wir uns auch ein Auto mieten und einen kurzen Abstecher in den Norden Togos machen. Die kommenden zwei Wochen wird mein Blog deswegen wahrscheinlich recht ruhig sein, danach aber werde ich viel zu erzählen haben.

Schon jetzt wünsche ich euch deswegen ein schönes, erholsames Osterfest!

Herzliche Grüße

Euer Yann


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Manchmal spürt man noch bei den Zelten die Wassertropfen


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Ein feiner Regenbogen auf der Wasseroberfläche


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Ein Bild von der Wanderung von vor drei Wochen

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